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Ich habe es schon so viele Male in meiner Berufslaufbahn erlebt: Die Kinder spielen fröhlich in der Kindergruppe bis zu dem Moment in dem sie am (Nach)Mittag Mutter oder Vater erblicken, die zum Abholen gekommen sind. Sobald sie ihre Eltern erblicken, brechen sie in Tränen aus. Die Eltern sind dann nicht selten verunsichert und fragen sich, was los ist. Bei manchen Kindern scheint es geradezu ein kleines Ritual zu sein, beim Abholen weinen zu müssen. Vier häufige Gründe, die dazu führen, möchte ich dir hier erklären und natürlich auch, was du tun kannst, wenn dein Kind beim Abholen oft weint…

4 häufige Gründe, warum dein Kind beim Abholen weint

1. Erschöpfung

Ein Tag in einer Kindergruppe zu verbringen ist für Kinder je nach Temperament eine bedeutende Herausforderung. Die Gruppendynamik kann für dein Kind unter Umständen sehr anstrengend sein. Wenn du dann zum Abholen kommst, bricht sich Frust und Erschöpfung bahn. Ein Grund, warum dein Kind nach dem Kindergarten oder nach der Krippe in  Tränen ausbricht, könnte also sein, dass dein Kind einfach keine Kraft mehr hat.

2. Hunger

Essen in einer Umgebung außerhalb der Familie mit viel Ablenkung kann eine große Aufgabe für dein Kind sein. Je nach Möglichkeit braucht dein Kind vielleicht noch Unterstützung oder muss sich an einem Buffett selbst versorgen. Manchmal schmeckt das Essen auch ganz anders als zu Hause. Durch die ständige Ablenkung nehmen manche Kinder in der vorgesehenen Zeit einfach auch nicht genug Essen zu sich. Da in der Kita eigentlich immer etwas los ist, merken manche Kinder gar nicht, dass noch oder wieder Hunger haben. Wenn du dein Kind abholst, spürt es plötzlich, dass es jetzt dringend etwas braucht, kann dieses Gefühl aber nicht deuten und bricht in deinen Armen zusammen.

3. Überreizung

Kinder sind von Natur aus sehr unterschiedlich, nicht zuletzt im Temperament. So reagieren Kinder eben auch sehr unterschiedlich auf die Gruppensituation in Krippe und Kita. Meistens ist es laut und es ist immer etwas los. Manche Kinder können sich dagegen gut abgrenzen oder genießen das sogar. Manche Kinder reagieren darauf aber auch wie ein Schwamm und nehmen alle Reize ungefiltert in sich auf. Wenn du dann in der Tür stehst, ist das der letzte Tropfen, der das emotionale Fass zum Überlaufen bringt.

4. Nähebedürfnis

In der Krippe und in der Kita muss dein Kinder sehr autonom agieren. Es muss viel alleine schaffen und ist in vielen Situationen sich selbst überlassen. Nicht immer schaffen kleine Kinder ihr Sicherheitsbedürfnis im  Gruppengeschehen auszudrücken und von der Bezugsperson vor Ort stillen zu lassen. Wenn du dann dein Kind abholst, muss der Bindungstank erstmal ganz dringend aufgefüllt werden. Weinen ist dafür dann eine sehr geeignete Methode.

Ein Tag im Kindergarten ist anstrengend

Im ersten Lebensjahr entwickelt das Kind eine emotionale Bindung zu seinen Bezugspersonen. Als Baby erlebt es, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden, wenn es durch Weinen darauf aufmerksam macht. Weinen ist also erstmal eine Kommunikationsform und dass das Kind weint ist in erster Linie positiv.

Wenn das Baby weint aktiviert es das sogenannte Bindungssystem der Bezugsperson, die sich dann veranlasst fühlt, sich um das Baby zu kümmern. Dieses Bindungssystem besteht auch weiterhin, wenn dem Kind schon weitere Kommunikationsformen zur Verfügung stehen.

Wenn Kinder beim Abholen in Tränen ausbrechen, reagieren, die meisten Eltern ohne zu zögern und nehmen ihr Kind auf den Arm und trösten durch Zuwendung. In der Regel ist dies dann auch schon ausreichend und einen kurzen Augenblick später kann das Kind sich schon wieder fröhlich und frei bewegen.

Manchmal reagieren Eltern aber auch sehr besorgt. Sie werden dann das Gefühl nicht los, dass es dem Kind vielleicht nicht gut geht und suchen nach dem Grund für das plötzliche Weinen des Kindes. Löst sich die (unbegründete) Sorge der Eltern über einen längeren Zeitraum nicht auf, kann das wiederum aber auch zur Verunsicherung des Kindes führen. Das Kind aktivert das Bindungssystem der Bezugsperson schließlich um Kraft und Zuversicht gespendet zu bekommen.

Führt das Weinen aber dazu, dass die Eltern dauerhaft besorgt sind kann ein Teufelskreis entstehen, denn die besorgte Haltung der Eltern wiederum führt zu stärkerem und länger anhaltendem Weinen. Die Eltern können das Bedürfnis des Kindes nach Sicherheit nicht erfüllen, da sie durch das Weinen selbst verunsichert sind.

Erste Hilfe in der Abholkrise

Wenn dein Kind beim Abholen oft weint kann es helfen, wenn du dir 3 Dinge klar machst:

1. Wie geht es dir selbst?

Hattest du selbst einen anstrengenden Tag oder bist du im Stress, weil noch so viel zu erledigen ist? Umso entspannter und freier du selbst in die Abholsituation gehst, umso besser kannst du für dein Kind da sein.

2. Unklarheiten mit der/dem ErzieherIn abklären

Wenn du dir nicht sicher bist, ob es deinem Kind in der Gruppe gut geht, frage nach. Vielleicht ist es auch sinnvoll um ein ausführliches Gespräch zu bitten, im dem dir die Bezugsperson deines Kindes Einblicke in den Gruppenalltag geben kann.

3. Gestalte die Abholsituation verlässlich und zügig

Nach einem anstrengenden Tag in der Kindergruppe ist es notwendig, dass du die Sache in die Hand nimmst. Viele Fragen und Optionen überfordern dein Kind. In ganz akuten Situationen kann das auch bedeuten, dass ein „Ende mit Schrecken besser ist, als ein Schrecken ohne Ende“: Lieber einmal ohne Jacke den Kindergarten verlassen, als ewig lange Diskussionen in der Garderobe mit den entsprechenden Ablenkungen.

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