7 Regeln für gesunden Fernsehkonsum im Vorschulalter

Für viele von uns ist der Fernseher aus dem Alltag nicht wegzudenken, auch wenn das Internet und digitale Mediatheken ihn so langsam aber sicher ablösen. Fernsehen an sich ist für mein Empfinden nichts Schlechtes, lediglich der Umgang damit muss gelernt werden.

Bewegte Bilder sind für unser Gehirn unglaublich interessant und daher ist es nur folgerichtig, dass wir gebannt hinschauen. Allerdings ist nicht alles, was das Fernsehen bietet auch kindgerecht. Schnelle Schnitte, grelle Farben und schnelle Dialoge, das alles noch mit dramatischer Musik untermalt…Das ist modern und so sieht auch Kinderfernsehen heutzutage aus. Nur leider können besonders kleine Kinder genau das sehr schlecht bzw. gar nicht verarbeiten. Die gelieferten Informationen und Impulse bleiben irgendwo im kindlichen Nervensystem stecken und müssen hinterher durch Spiel ausagiert und verarbeitet werden.

Das „WIE“ ist entscheidend

Ich persönlich denke, dass es ok ist auch kleinen Kindern gemäßigten Fernsehkonsum zu ermöglichen. Ich denke sogar dass es unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein kann, sofern bestimmte Regeln beachtet und ein gewisser zeitlicher Rahmen eingehalten wird. Hier sind meine 7 Regeln für gesunden Fernsehkonsum mit Kindern im Vorschulalter:

1. Ausgewählte Inhalte anbieten

Wie bereits erwähnt sind nicht alle Kindersendungen auch wirklich kindgerecht. Und vor allem sind nicht alle animierten Sendungen Kindersendungen! Schnelle Schnitte Überfordern die kindliche Wahrnehmung. Die Inhalte folgen zu schnell aufeinander und können nicht angemessen vom Kind in einen Kontext gesetzt werden. Dadurch bleiben Fragen zurück, das Kind kann der Sendung nicht folgen. Außerdem sind manche Kindersendungen sehr spannend. Dramatische Musik oder streitende Figuren etwa können Angst beim Kind auslösen. Sinnvoll sind Kindersendungen, die wenige Charaktere haben, die am besten immer wiederkehren und nicht viel oder schnell sprechen. Eine Folge sollte ca 10 Minuten lang sein, maximal jedoch 20 Minuten. Für mehr reicht die Aufmerksamkeitsspanne von Vorschulkindern nicht aus. Dies bezieht sich hauptsächlich auf die Handlung: Geht die Geschichte zu lange, schaltet das Kind ab und versteht die Geschichte nicht. Lieber eine zweite Folge im Anschluss ansehen, anstatt einen einzigen, langen Film.

2. Gemeinsam schauen und drüber reden

Kleine Kinder sollten nicht alleine fernsehen. Schaut man gemeinsam, hat man die Möglichkeit die Reaktionen seines Kindes zu beobachten und darauf zu reagieren. Etwa mit Nachfragen: Warum läuft der Hund jetzt weg? Oder man kann auch vorschlagen die Sendung abzustellen, wenn das Kind sehr angespannt wirkt. Kinder, die fernsehen dürfen, spüren weniger Druck bis zum Schluß auszuhalten, weil man ja nie weiß, wann man mal wieder die Möglichkeit dazu hat. Fernsehen verliert dadurch an Strahlkraft und es ist ok abzuschalten.

3. Bitte berühren!

Beim gemeinsamen Fernsehen auf Körperkontakt zu achten ist aus zweierlei Gründen wichtig: Zum einen spürt man besser, ob das Kind entspannt und interessiert ist und wann die Stimmung dabei ist zu kippen. Andererseits ist es bei kleinen Kindern wichtig, ihnen die Möglichkeit zu geben sich an unser Nervensystem anzudocken. Kleine Kinder können sich noch nicht gut selbst beruhigen. Wenn sie im Fernseher eine spannende Situation beobachten, die sie an-oder sogar aufregt können sie sich durch den Körperkontakt wieder regulieren. Durch die Entspannung des Erwachsenen wird das kindliche Nervensystem auch angeregt sich wieder zu entspannen.

Hier liegt meiner Meinug nach eine der größten Chancen für das gemeinsame fernsehen: Hat das Kind immer wieder die Möglichkeit diese Erfahrung der Entspannung zu machen, bekommt es früh die Möglichkeit einen eigenen Umgang mit den Gefühlen, die das Medium Fernseher auslösen kann zu entwickeln.

4. Fernseher gemeinsam ein- und ausschalten

Eine Sendung hat ein Anfang und ein Ende. Es ist sinnvoll gemeinsam mit dem Kind beides bewusst wahrzunehmen. Selbst den Fernseher ein- und auszuschalten gehört mit zum gesunden Fernsehkonsum. Der Fernseher ist kein Heiligtum, er ist einfach ein weiterer Gebrauchsgegenstand im Haushalt. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

5. Absprachen treffen

Bevor der Fernseher eingeschaltet wird macht es Sinn zu besprechen, was geschaut wird und dass danach der Fernseher wieder ausgeschaltet wird. Auch wenn es Schade ist, ist es wichtig sich an die Absprachen zu halten und nicht anzufangen herumzuzappen.

6. Zeitliche Grenzen setzen

Das Fernsehen ist zwar eine fesselnde und spannende Freizeitbeschäftigung, aber sie ersetzt niemals das freie Spiel und Naturerfahrungen. Kinder brauchen viel freie Zeit, um Erfahrungen zu verarbeiten. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll mehrere Sendungen hintereinander zu schauen. In einer einzigen Fernsehsendung sind so unglaublich viele Reize für das kindliche Gehirn enthalten, dass es auch nicht sinnvoll ist täglich fern zu sehen.

7. Aufregende Inhalte vermeiden

Im Vorschulalter haben Kinder eine blühende Fantasie. Sie können dabei aber oft nicht gut zwischen Realität oder Fiktion unterscheiden. Ein „böser“ Charakter in einer Fernsehserie kann dadurch sehr aufwühlend und beängstigend sein und das Kind über das Ende der Sendung hinaus verfolgen. Ob ein Kind eine Sendung aufregend oder beängstigend empfindet, kann sehr individuell sein. Manche Kinder sind empfindlicher als andere und reagieren sensibel auf dramaturgische Gegenspieler. Auch auf Sendungen, von denen wir als Erwachsene gar nicht denken, dass sie für Kinder aufregend sind, können Kinder ängstlich reagieren. Daher ist es sehr wichtig, das Kind beim Schauen zu beobachten und ggf. eine Alternative anzubieten. Eine Alternative ist deshalb wichtig, damit das Kind nicht aus Angst nichts schauen zu dürfen den beängstigenden Inhalt aushält.

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