Wann muss ich meinem Kind den Schnuller abgewöhnen?

Muss man den Schnuller überhaupt abgewöhnen oder darf mein Kind den Schnuller solange und so oft haben, wie es will? Diese Fragen beschäftigen manche Eltern sehr. Bisweilen gibt es auch gut gemeinte Ratschläge oder kritische Stimmen aus dem Umfeld, wie man sich diesem Thema gegenüber verhalten sollte. Eins vorweg: Die Entscheidung muss jede*r selbst treffen! Um euch aber eine Basis für eure Entscheidung zu bieten, habe ich ein paar Fragen, die rund um das Thema „Schnuller“ für gewöhnlich auftauchen zusammengestellt und beantwortet…

Wofür ist der Schnuller eigentlich gut? | Über den Saugreflex

Die meisten Säugetiere, und so auch die menschlichen Neugeborenen verfügen über die angeborene Fähigkeit, automatisch an allem, was sie im Mund berührt zu saugen. Anfangs ist das die Brust der Mutter oder die Milchflasche oder eben auch als Ersatz ein Finger oder ein Schnuller. Der Saugreflex ist ein angeborener, unbewusster Vorgang, der das Überleben des Säuglings gewährleisten soll. Der Saugreflex bleibt durchschnittlich bis zum 6. Monat erhalten (der Zeitraum variiert von Säugling zu Säugling) und wird dann durch das aktive Saugen ersetzt.

Bereits im Bauch trainieren Babys das Saugen am eigenen Daumen und kommen so im Normalfall prima ausgestattet auf die Welt. Das Saugbedürfnis und die jeweilige Intensität, mit dem ein Kind auf die Welt kommt ist allerdings von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Und da beginnt die Geschichte des Schnullers:

Warum brauchen manche Kinder überhaupt einen Schnuller?

Im Grunde brauchen Kinder keinen Schnuller! Jedes Saugbedürfnis des Babys kann auf natürliche Art gestillt werden. Nämlich eben durch Stillen und füttern mit der Flasche (sogenanntes nutritives, also zur Nahrungsaufnahme dienendes Saugen) oder einen Finger (nicht-nutritives Saugen).

Allerdings ist es in der Realität so, dass manche Kinder ein so ausgeprägtes Saugbedürfnis haben, dass Eltern(!) das Bedürfnis verspüren, dem Kind eine Möglichkeit zu bieten, sein Bedürfnis zu stillen, ohne dabei selbst körperlich permanent anwesend sein zu müssen.

Warum benutzen manche Kinder gar keinen Schnuller?

Bei manchen Kindern passen Intensität des Saugbedürfnisses und Kapazitäten und Ressourcen der Eltern einfach gut zusammen. Die Eltern sind bereit und motiviert das Kind immer mit Körperkontakt, Tragen oder Stillen zu trösten und ggf. auch dem schlafenden Kind den eigenen Finger zu Verfügung zu stellen.

Oder aber das Kind hat einfach ein Saugbedürfnis, dass durch die Nahrungsaufnahme gestillt ist und verlangt somit gar nicht nach nicht-nutritiven Saugmöglichkeiten.

Die dritte Variante ist natürlich noch die natürliche Alternative zum Schnuller: Das Kind findet den eigenen Daumen. Kinder, die am Daumen saugen, brauchen somit eben auch keinen Schuller.

Welche Nachteile hat der Schnuller?

Im Babyalter sehe ich einen Nachteil in der Einfachheit der Handhabung: Das Baby hat ein natürliches Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Es möchte gehalten und getröstet werden. Manchen Eltern fällt es sehr schwer dieses Bedürfnis zu erkennen oder auch zu akzeptieren. Sie denken, das Baby tanzt ihnen auf der Nase rum, weil es immer auf den Arm will, oder sie haben Sorge das Baby zu „verwöhnen“. Der Schnuller wird dann zu leicht als alleinige Möglichkeit genutzt das Baby zu beruhigen.

WICHTIG: Kleine Babys kann man NICHT, NIEMALS, UNTER-KEINEN-UMSTÄNDEN verwöhnen. Kinder brauchen Körperkontakt und liebevolle Zuwendung, um zu überleben und sich angemessen zu entwickeln. Wenn ein Baby also weint, dann ist es richtig, es auf den Arm zu nehmen und durch sanfte Ansprache und Wiegen zu beruhigen.

Daher meine Empfehlung: Setze den Schnuller mit Bedacht ein. Er ist ein Hilfsmittel, der Eltern in bestimmten Situationen entlastet. Der Schnuller ist kein Selbstzweck und sollte immer im Bewusstsein verwendet werden, dass das Kind zur Beruhigung und zum Wohlbefinden mehr braucht als eine Möglichkeit zu saugen:

Babys brauchen Bezugspersonen, die prompt und angemessen auf ihre Bedürfnisse reagieren und sich einfühlen in die Situation des Babys. Wichtig zur Beruhigung sind Körperkontakt, und damit einhergehend die Möglichkeit den Geruch, die Stimme und den Herzschlag der vertrauten Person wahrzunehmen und sich somit gehalten, geborgen und umsorgt zu fühlen. So entsteht eine sichere Bindung, auf deren Grundlage das Kind auch später schwierige Situationen allein meistern können wird.

Ein weiterer Punkt ist die intensive (!) Schnullernutzung nach dem ersten Geburtstag. Manche Kinder nutzen den Schnuller auch dann noch sehr gerne, wenn sie bereits anfangen ihre Umwelt zu erkunden oder im dritten und vierten Lebensjahr, wenn sie sogar schon sprechen können und mit anderen Kindern in Kontakt treten.

Wichtig ist sich hierbei in Erinnerung zu rufen, dass der Schnuller anfangs die Funktion ein lebenswichtiges Bedürfnis, nämlich den Saugreflex, zu stillen inne hatte, damit sich das Kind entspannen und wohlfühlen kann. Spätestens nach dem ersten Geburtstag ist dieser Reflex in aller Regel gar nicht mehr vorhanden. Das Bedürfnis nach dem Schnuller resultiert jetzt aus der Gewohnheit etwas im Mund zu haben und der Verknüpfung von Wohlbefinden und Entspannung mit dem Nuckeln am Schnuller.

Die Frage ist doch: Wenn das Nuckeln zum Beruhigen dient, warum sollten Kinder es dann beim Spielen tun? Ich sehe keinen Grund dafür, dass Kinder beim Spielen ein „Beruhigungsmittel“ konsumieren. Spielen ist Aktion, Kommunikation, Anregung und Aufregung, also so ziemlich das genaue Gegenteil von dem ursprünglichen Nutzen des Schnullers.

Zudem erschwert der Schnuller das Erkunden der Umgebung mit dem Mund. Sobald Babys den Kopf hochhalten, spätestens jedoch, wenn sie sitzen können, beginnen Kinder alles in den Mund zu stecken, um ihre Lebensrealität zu erfahren. Ein Schnuller erschwert das natürlich. Im Gegensatz zum Daumen den man rausnimmt, wenn man die Hand braucht, kann der Schnuller unter allen Umständen immer im Mund verbleiben. Die Schnullernutzung reguliert sich also nicht automatisch.

Als letztes Problem bei der Nutzung des Schnullers möchte ich noch auf das Risiko einer Zahnfehlstellung hinweisen. Diese Problematik ergibt sich natürlich erst im weiteren Verlauf, wenn das Kind bereits Zähne hat und den Schnuller immernoch dauerhaft am Tag benutzt. Auch die Gefahr von Infekten erhöht sich durch die Schnullernutzung, da Kinder den Mund oft ein Stück geöffnet haben.

Warum will mein Kind den Schnuller nicht hergeben und wie verhalte ich mich dann am besten?

Wenn dein Kind älter ist als ein Jahr und immer noch viel und vor allem tagsüber den Schnuller einfordert, braucht es vermutlich Begleitung dabei, ohne den Schnuller auszukommen. Nachdem sich der Saugreflex zurückgebildet hat, ist der Schnuller eigentlich nicht mehr nötig, jedoch möchten viele Kinder auch tagsüber trotzdem nicht darauf verzichten, weil er, neben der Gewöhnung, eine Bedeutung für dein Kind hat. In welchen Situationen hat dein Kind für gewöhnlich den Schnuller bekommen? Zur Beruhigung oder als Trost? Oder wenn es danach gefragt hat? Daran hat sich dein Kind gewöhnt und eine Veränderung deines Verhaltens kann Unsicherheit bei deinem Kind auslösen.

Daher macht es auf jeden Fall Sinn, frühzeitig als Eltern eine klare Haltung zur Schnullernutzung zu entwickeln. Uns Erwachsenen muss klar sein, wann wir es für ok halten, dass unser Kind den Schnuller benutzt. Und wir müssen uns auch klar machen, dass Kinder im Alter von 2 oder 3 Jahren versuchen werden unsere Vorgaben zu hinterfragen und auszuweiten. Einfach weil das, unabhängig vom Schnullerthema, in diesem Alter zu ihrer Entwicklung dazu gehört!

DAS alleine darf aber nicht der Grund sein, dass wir dem Kind den Schnuller geben! So, wie wir uns Gedanken darüber machen, was unsere Kinder essen, ob und wie oft sie Fernsehen dürfen oder wann sie Süßigkeiten bekommen, genau so müssen wir auch Maßstäbe setzen, wie der Umgang in unseren Familien mit dem Schnuller ist.

Den Schnuller zu benutzen empfinden Kinder als schön, wenn man von ihnen verlangt, dass sie ihn abgeben sollen, fühlt sich das vielleicht nicht so schön an. Wie reagiert man darauf mit 2 Jahren entwicklungsgerecht? Vermutlich mit Tränen und Wut!

Klare Regeln erleichtern es deinem Kind den Schnuller loszulassen. Eine kleine Schale am Bett, in die man den Schnuller beim Aufstehen legt und beim Ins-Bett-gehen wieder herausnimmt, wenn das die Regel sein soll. Mehr braucht es im Grunde nicht.

Warum brauchen Kinder einen SchnullerWenn dein Kind mit Wut und Trauer auf deine Entscheidung den Schnuller nicht herzugeben reagiert, dann musst du dein Kind, wie in allen anderen Situationen auch dabei begleiten seine Gefühle zu bewältigen. Und wenn dir das sehr schwer fällt, dann musst du auch hier die Verantwortung für deine eigenen Gefühle übernehmen.

Du bietest den Rahmen, in dem sich dein Kind entwickelt. Und du musst diesen Rahmen auch halten, wenn dein Kind sehr intensiv nachfragt, ob du sicher bist, indem es weint und mit Wut reagiert. Dein Kind achtsam und einfühlsam und zugleich zielgerichtet durch diese starken Gefühle zu begleiten, anstatt seinem Willen nachzugeben, ist ein wichtiges Entwicklungsgeschenk für dein Kind!

Soll ich den Schnuller überhaupt abgewöhnen?

Wie so ziemlich alles im Leben hat auch das Nutzen eines Schnullers Vor-und Nachteile. Und wie auch so viele andere Dinge im Leben ist die Gewichtung dieser Vor-und Nachteile von den jeweiligen Personen und deren Lebensumständen abhängig. Das bedeutet, dass es auch die Frage, ob Eltern ihren Kindern den Schnuller zu einem bestimmten Zeitpunkt abgewöhnen sollten keine allgemeingültige Antwort gibt. Vielmehr macht es Sinn, sehr genau die Vorteile gegen die Nachteile abzuwägen:

Überlege für dich, wie du es haben willst und welche Gründe dafür oder dagegen sprechen. Tausche dich mit deinem Partner/ deiner Partnerin darüber aus, worauf ihr euch gemeinsam einigen könnt. Frage, welche Meinung andere Bezugspersonen deines Kindes (Großeltern, Erzieher*innen) haben und dann triff deine Entscheidung. Die eventuell daraus resultierenden Gefühle deines Kindes begleitest du dann einfühlsam und liebevoll…

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