Übergänge bindungsorientiert begleiten

Hast du dich schon mal gefragt, wie es kommt, dass manche Menschen irgendwie müheloser durchs Leben gehen als andere? Warum bewältigen einige Menschen, die Hürden, die ihnen das Leben bietet erfolgreich und andere hadern oder zerbrechen gar an ihren Herausforderungen? Die Psychologie hat da tatsächlich eine Antwort darauf:

Resilienz

Der Begriff beschreibt die Fähigkeit Krisen zu bewältigen indem man sich selbst in der Lage sieht auf Ressourcen und Hilfen zurückzugreifen. Mehr noch: Resiliente Menschen gehen gestärkt und gereift aus der bewältigten Krise hervor. Sie werden allgemein als anpassungsfähig, belastbar und neugierig beschrieben.

 Wie entsteht Resilienz?

Resilienz ist nicht angeboren. Allerdings verfügen alle Menschen über die grundsätzliche Fähigkeit sie zu entwickeln. Dafür brauchen wir als Kinder unbedingt achtsame und empathische Erwachsene, die uns im individuellen Entwicklungsprozess immer wieder unterstützend begleiten. Wichtig ist in erster Linie mindestens eine stabile primäre Bindungsbeziehung.

Die sogenannten primären Bindungspersonen, sind die, zu denen ein Kind seine wichtigste, lebenslange emotionale Bindung entwickelt und von denen es am liebsten getröstet werden möchte, wenn es erschrocken oder verletzt ist. Meistens sind dies die Eltern. Die Eltern prägen so maßgeblich das entstehende Selbst des Kindes und seine innere Welt.

Warum Eltern üben sollten positiv zu denken

Unsere Worte werden ihre Gedanken

Wir leben in einer Gesellschaft, die darauf trainiert ist, das Schlechte und Schwierige zu erkennen und dann an einer Verbesserung der Situation zu mitzuwirken. Was auf den ersten Blick durchaus konstruktiv wirkt, ist in Wirklichkeit aber leider eine sehr defizitäre Haltung. Die auf Dauer dazu führt, dass einem immer das Negative zuerst ins Auge springt. Dies kann sich als ein Fass ohne Boden erweisen und durch das Ausbleiben von Erfolgserlebnissen im Extremfall zu einer Art Burnout führen.

Denn, dem Gesetz der Anziehung folgend, machen wir so das Negative groß und werden  nie damit fertig, alles Negative in Positives umzuwandeln. Im schlimmsten Fall bleiben wir mit dem ganzen „negativen Scheiß“ sitzen.

Der Kreis der Sicherheit bietet Kindern die Möglichkeit ihre Welt zu entdecken und zu erobern und gleichzeitig die Gewissheit eines sicheren Hafens im Hintergrund zu haben, zu dem man jederzeit zurückkehren und Trost und Zuversicht tanken kann. Was passiert jedoch, wenn Eltern an diesem Punkt anstatt innerer Ruhe Nervosität oder (Selbst-)Zweifel ausstrahlen? Dann bekommen Kinder leider nicht die Möglichkeit im sicheren Hafen zur Ruhe zu kommen und gemachte Erfahrungen angemessen zu verarbeiten.

Daher ist es unbedingt notwendig, sich auch immer wieder auf das Positive der jeweiligen Situation zu fokussieren, denn daraus lässt sich langfristig Kraft schöpfen.

Da wir unsere innere Haltung unbewusst auch an unsere Kinder weitergeben, ist es wichtig auf die eigenen Gedanken und Worte zu achten:

  • Sage ich oft, dass etwas schwierig ist?
  • Sehe ich immer erstmal die negativen Folgen?

Im Laufe der kindlichen Entwicklung ist es wichtig, dass Kinder lernen ihre eigenen Stärken und Ressourcen realistische einzuschätzen:

  • Was kann ich?
  • Was mag ich?
  • Wo bekomme ich Hilfe und Unterstützung?

Das können sie aber nur, wenn wir Erwachsene ihnen dies spiegeln! Kinder brauchen Eltern, die ihnen etwas zutrauen, die da sind, wenn etwas schiefgeht und bei der Bewältigung von Schwierigkeiten begleitend unterstützen. Und vor allem brauchen sie Eltern, die Lernprozessen grundsätzlich positiv gegenüberstehen.

Denkgewohnheiten verändern und Ressourcen erkennen

Kinder brauchen Herausforderungen, die sie bewältigen können, damit sie daran wachsen können, um somit wertvolle psychische Widerstandsfähigkeit zu entwickeln. Nehmen wir den Kindern dagegen alles ab und halten sie zurück, vergeben wir die Möglichkeit sie entwicklungsfördernd zu begleiten.

Viele Ereignisse und Herausforderungen im Leben sind nicht planbar oder vorhersehbar. Daher können wir unsere Kinder auch nicht immer vor allem schützen. Und das müssen wir auch gar nicht. Unsere Aufgabe als Eltern ist nicht, jegliches Unheil von unseren Kindern fernzuhalten, sondern sie im Leben so zu begleiten, dass sie befähigt werden, flexibel und selbstwirksam zu agieren und eigene Lösungswege zu entwickeln.

Dafür müssen wir lernen in jeder Herausforderung vor allem das Positive zu sehen und zu betonen. Es geht dabei nicht darum, sich die Situation schön zu reden! Etwas kann gleichzeitig schade oder schwierig sein und trotzdem auch positive Aspekte mit sich bringen. Die Herausforderung ist dann, das eine anzuerkennen (dass es schwierig ist) und sich auf das andere zu fokussieren (grundsätzlich zuversichtlich an die Sache heranzugehen).

Übergänge lösungsorientiert begleiten

„Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen
und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.“
Meister Eckhart

Wenn sich die Lebenssituation eines Kindes verändert, machen sich Eltern häufig Sorgen darüber, wie ihr Kind diese Veränderung bewältigen wird. Mein Eindruck ist, dass Eltern dann sehr auf die schwierigen Aspekte der Situation fokussiert sind und viel darüber nachdenken, was alles nicht klappen oder schlimm werden könnte. Dabei übersehen sie häufig die positiven Aspekte, die eine Veränderung für das Kind mitbringen kann. Das liegt nicht selten daran, dass die Eltern selbst von der Situation betroffen sind. Sie selbst haben Angst, dass der Umzug anstrengend wird, das neue Baby die Familienstruktur durcheinanderbringt oder der Personalwechsel im Kindergarten negative Auswirkungen haben wird. Es ist daher sinnvoll sich vor einer großen Veränderung in Ruhe ein paar Gedanken über die Situation zu machen und diese dann ganz bewusst in positive Formulierungen umzuwandeln. Anstatt

  • „oje,  wenn das Baby geboren wird, wird sie/er bestimmt eifersüchtig sein“ könnte man bewusst sagen
  • „Wenn das Baby da ist, wird sie/ er ganz neue Erfahrungen machen dürfen, wie es ist große Schwester/ großer Bruder zu sein und für ein kleines Baby sorgen zu dürfen“.

Beide Überlegungen beziehen sich auf die Zukunft, und sind somit lediglich Voraussagen oder Erwartungen. Beziehen sich aber jeweils auf unterschiedliche Aspekte, die vielleicht beide eintreten werden. Denn: Ja, es kann schwierig werden ein kleines Geschwisterchen in die Familie zu integrieren ABER es wird gleichzeitig auch toll sein, sich selbst als groß und fürsorglich zu erleben! Wir allein entscheiden, worauf wir uns konzentrieren und was wir dadurch groß machen.

Negative Gefühle müssen begleitet werden, Bedürfnisse müssen gestillt werden, das ist eben so. Davor brauchen wir als Eltern keine Angst zu haben. Wenn wir unsere Kinder achtsam und empathisch begleiten, können unsere Kinder alles schaffen! Und zudem ein positives Selbstbild entwickeln, mit dem sie sich später auch selbst zutrauen Herausforderungen anzunehmen, Misserfolge zu verarbeiten und Erfolge zu feiern.

Es ist von großer Bedeutung, wie wir über eine Sache denken. Unsere Kinder sind mit uns in engem Kontakt und spüren, ob wir ängstlich oder zuversichtlich sind! Sie verbinden sich ganz automatisch mit unseren Gefühlen und nehmen unsere Schwingungen auf. Rede dir daher nicht ein, dein Kind könnte etwas nicht bewältigen. Am Ende wird dein Kind es dir glauben. Konzentriere dich stattdessen immer darauf, was es auch Positives zu betonen gibt und überlege dir, wie du ganz praktisch dein Kind auf seinem eigenen Weg konstruktiv unterstützen kannst!

Denn die eigenen Stärken zu kennen und zu wissen, wo man Unterstützung bekommen kann, macht stark und zuversichtlich, das eigene Leben mutig in die Hand zu nehmen!

Zum Weiterlesen:

Der Kreis der Sicherheit ist die Grundlage für bindungsorientierte Erziehung und sehr ressourcenorientiert.

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