Lob und Konsequenzen | Was sind die Alternativen?

Bewusste Beziehungsgestaltung

„Lob und Konsequenzen“

Zwei Seiten der selben Medaille

Zu den traditionellsten (westlichen) Erziehungsmethoden zählten früher wohl das Prinzip von Belohnung und Strafe. Vereinfacht gesagt gab es für eine gute Note eine Mark und für eine schlechte Note Hausarrest. Damit meinte man Kindern Werte und ein adäquates Sozialverhalten „anerziehen“ zu können, ja gar zu müssen. Mittlerweile möchten viele Eltern ihre Kinder nicht mehr mit Strafen quälen. Dennoch lebt der Mythos in uns jetzigen Eltern weiter, dass man Kinder durch bestimmte Methoden in die rechte Bahn lenken muss. So hat es sich durchgesetzt, Belohnung und Strafe durch ihre kleinen Geschwister auszutauschen:

Loben und Konsequenzen setzen

Vielleicht bist du jetzt einigermaßen irritiert, dass ich behaupte, Lob und Konsequenzen stünden in Zusammenhang mit Belohnung und Strafe. „Ja aber..“ willst du vielleicht empört einwenden: Denn Konsequenzen müssen doch sein, damit Kinder Regeln lernen und Loben kann ja wohl nicht schlimm sein, oder?

Zunächst möchte ich betonen, dass es ganz normal ist, so zu denken und entsprechend zu handeln, denn wir haben es als Kinder genau so erlebt: Die meisten von uns haben erlebt, dass sie so wie sie sind nicht ganz in Ordnung sind und zu eben jener Ordnung herangezogen werden müssen. Und so haben wir über die Jahre verinnerlicht, dass Kinder machen, was sie wollen, sofern wir sie nicht aktiv und gezielt zur Raison rufen.

Lob und Konsequenzen | Warum wir darauf verzichten können und sollten!

Das (Haupt)Problem mit Loben und Konsequenzen setzen ist, dass beides manipulative  Verhaltensweisen des mächtigeren Erwachsenen sind, die darauf abzielen ein bestimmtes Verhalten zu erreichen oder abzustellen. Das trifft genauso auf Strafe und Belohnung zu: Allesamt sind sie Erziehungsmaßnahmen, die durch jeweils positive und negative Verstärker, die Wahrscheinlichkeit erhöhen sollen, dass ein gewünschtes Verhalten gezeigt wird!

Lob, das emotionale Fast-Food

Natürlich loben wir unsere Kinder gerne. Im ersten Moment scheint es auch etwas Positives zu sein: Das Kind hat etwas gut gemacht und wir reagieren darauf mit positiver Aufmerksamkeit. Beide sind glücklich, „win-win“ könnte man meinen. Jedoch kann es bei häufigem Loben dazu kommen, dass das Kind die positive Aufmerksamkeit mit seiner Leistung in Verbindung bringt und damit im weiteren Verlauf einen Verlust von Aufmerksamkeit mit fehlender oder ungenügender Leistung verknüpft.

Dabei verfügen wir Menschen über ein organisches Belohnungssystem im Gehirn, dass uns beim Tätigsein mit schönen Gefühlen belohnt, vorausgesetzt, wir sind in unsere Tätigkeit mit Freude und Ruhe versunken und schielen nicht schon währenddessen auf die Aufmerksam am Ende in Form von Lob oder Belohnung. Besonders schön kann man das beobachten, wenn Kinder Laufen lernen: Sie tun das weil sie es wollen und obwohl (oder vielleicht weil?) es anstrengend ist, machen sie immer weiter, bis sie mit breitem Grinsen die ersten Schritte tun. Eine Verstärkung von außen ist nicht nötig. Kein Kind würde das Laufen lernen lassen, weil es kein Lob dafür erhält…

Wenn wir also das körpereigene Belohnungssystem unserer Kinder nicht außer Kraft setzen wollen, dann sollten wir nicht inflationär und gedankenlos Loben, sondern unseren Kindern gezielte und liebevolle Aufmerksam ohne spezifischen Grund zukommen lassen.

Bewusste Beziehungsgestaltung, der emotionale Obstkorb

Als Alternative zum Loben ist es daher notwendig, dass wir uns bewusst machen, dass es sich dabei um positive Aufmerksamkeit handelt, die sich so schön anfühlt. Dabei ist es gar nicht nötig darauf zu warten, bis dein Kind etwas gut gemacht hat, um ihm eine liebevolle Rückmeldung zu geben. Du kannst dir ganz einfach immer wieder überlegen worüber du dich an deinem Kind erfreust und ihm das einfach so sagen:

Z.B. kannst du, anstatt auf dem Spielplatz jede Aktion deines Kindes fröhlich mit „gut gemacht“ und „prima“ zu beklatschen hinterher dein Kind kurz in den Arm nehmen und ihm erzählen, was du alles beobachtet hast und wieviel Freude es dir bereitet hat, deinem Kind dabei zuzuschauen. Damit gehst du in Beziehung und in Resonanz und dein Kind kann seine eigene Freude über den Spielplatzbesuch mit deiner Freude verbinden. Dieses Spiegeln der Freude deines Kindes macht eure Beziehung stärker und trägt euch auch durch Zeiten, in denen ihr euch weniger aneinander freuen könnt.

Weitere Alternativen zum Loben

Anstatt vorschnell „gut gemacht“ zu rufen kannst du wertfreier reagieren, etwa indem du beschreibst was du siehst:

  • Das ist aber ein buntes Bild
  • du schaukelst ja richtig hoch
  • Hallo, ich sehe dich auch (z.B. wenn das Kind von der Rutsche ruft)
  • ich glaube so schnell bist du noch nie gerannt
  • du kannst richtig hoch hüpfen
  • das war sehr freundlich von dir, dass du dein Spielzeug geteilt hast

Danielle vom „gewünschtestes Wunschkind“-Blog hat sich dem Thema Lob ausführlich gewidmet

Natürliche Konsequenzen sind aber was Gutes, oder?

Mit den Konsequenzen ist das ganze ein bisschen komplizierter. Denn natürlich gehören Konsequenzen zum Leben einfach dazu- aber tun es sogenannte logische Alternativen auch?

Klar, „wenn-dann“-Überlegungen sind Teil des menschlichen Daseins:

  • Wenn ich die Spielzeugkiste umdrehe, dann kracht es so schön laut
  • Wenn ich mit dem Fahrrad richtig schnell fahre, dann bin ich als erster da
  • Wenn ich meiner Schwester das Spielzeug wegnehme, dann läuft sie zur Mutter und beschwert sich

Zusammenhänge zu erfassen, und darauf angemessen zu reagieren gehört zu den Kernentwicklungsaufgaben von Kindern. Aber gehört es auch zwangsläufig zur Kindheit, dass die Erwachsenen auf die ich angewiesen bin und denen ich vertraue, Konsequenzen androhen/ definieren, um ein bestimmtes Verhalten hervorzurufen? Ich möchte das zumindest in Frage stellen! Und das, obwohl oder vielleicht, weil ich es in meiner Erzieherausbildung vor 20 Jahren noch genauso gelernt habe: Strafe ist nicht ok, eine sogenannte logische Konsequenz jedoch schon!?

Was könnten Beispiele für sogenannte natürliche oder logische Konsequenzen sein?

  • Wenn du jetzt die Zähne nicht putzt, dann haben wir keine Zeit mehr, ein Buch zu lesen
  • Wenn du die Suppe nicht aufisst, dann kannst du nicht mit deinen Freunden zum Spielen rausgehen
  • Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, dann kannst du kein Fernsehen schauen
  • Wenn du dein Zimmer jetzt nicht aufräumst, dann werde ich böse
  • Wenn du nicht aufhörst mit Sand zu werfen, dann gehen wir nach Hause

Diese Kausalitäten, werden von Erwachsenen hergestellt  und was für den einen logisch erscheint, muss es für den anderen noch gar nicht sein. Und so könnte es auch sein, dass es für dein Kind einfach keinen Sinn ergibt. Daraus resultieren, könnte ein Konflikt, weil dein Kind nicht bereit oder in der Lage ist auf deine „natürliche Konsequenz“ zu reagieren.

Wir müssen uns klar machen, dass hinter jedem Verhalten ein Bedürfnis steckt, das gesehen werden will. In ein- und derselben Situation können verschiedene Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben! Daher erscheint es mir doch viel sinnvoller das Augenmerk auf das Bedürfnis des Kindes zu richten (zu müde, zu satt, zu abgelenkt, zu überreizt), anstatt auf das Outcome (geputzte Zähne, leerer Teller, gemachte Hausaufgaben, ein aufgeräumtes Zimmer). Kinder weigern sich nicht, um uns zu ärgern! Kinder weigern sich, weil sie nicht anders können! Und sie brauchen unsere Unterstützung!

Wenn du also das nächste Mal eine „wenn-dann- Äußerung“ aussprechen möchtest, dann halte kurz inne und überleg, was hinter dem Verhalten deines Kindes stecken könnte? Und dann versuch doch einfach mal einen anderen Weg zu gehen: Biete deinem Kind eine angemessene Unterstützung an, anstatt etwas zu fordern…

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