Kindliche Wutanfälle verhindern durch achtsame Alltagsgestaltung

Wutanfälle bei Kleinkindern

Wutanfälle in der frühen Kindheit sind erstmal nichts ungewöhnliches. Kleine Kinder können ihre Gefühle noch nicht gut regulieren und Wut ist dazu noch eine sehr kraftvolle Emotion. In diesem Artikel soll es darum gehen, wie du dein Kind durch achtsame Alltagsgestaltung unterstützen kannst, seine Gefühle langsam aber sicher gut regulieren zu lernen…

Wutanfälle und Trotz | Die erste Autonomiephase

Am Anfang des Lebens steht die komplette Symbiose. Das Baby lebt in und von der Mutter. Auch die ersten Monate ist das Baby ohne seine Bezugsperson völlig hilflos. Erst mit dem stetigen Zuwachs an Fähigkeiten, beginnt das Kind zu erkennen, dass es auch Selbsttätig sein kann. Durch Ausprobieren und Erkunden lernt es sich und seine Umwelt immer besser kennen. Mit der Zeit wächst in ihm dann auch der Wunsch Dinge alleine oder auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu tun: Das kleine Kind entdeckt seinen eigenen Willen.

Sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen und auszuprobieren, sind eine unglaublich wichtige Phase im Leben eines Menschen. Denn sie befähigt das Kind auch längere Zeit ohne die ersten und unmittelbaren Bezugspersonen auszukommen und ist fundamental für die Identitätsentwicklung. Früher nannte man diesen Lebensabschnitt auch „Trotzphase“. Und das nicht ohne Grund.

Heute möchte ich euch ein paar Ideen vorstellen, wie man die Autonomiewünsche seines Kindes berücksichtigen kann und so vielleicht dem ein oder anderen Wutanfall zuvorkommt.

1. Veränderungen ankündigen

Kinder sind immer ganz im hier und jetzt und nicht selten sehr vertieft in das was sie gerade tun. Wenn man als Erwachsener weiß, dass das Kind seine Tätigkeit unterbrechen muss (z.B. weil man nach Hause gehen wird), ist es sinnvoll dies kurz voher anzukündigen: Noch einmal und dann gehen wir oder in 5 Minuten machen wir Schluß. Das gibt dem Kind die Möglichket sich innerlich auf die Veränderung einzustellen.

2. Auf Wünsche und Vorschläge eingehen

Im Laufe der Zeit entwickeln Kinder bestimmte Vorstellungen und Wünsche, wie etwas sein soll. Wenn Eltern diese ignorieren, kommt es nicht selten zur totalen Verweigerung und in der Folge zu Wutanfällen. Wenn du auf Vorschläge und Wunsche eingehst, signalisierst du: Ich sehe dich und nehme dich ernst. Das eröffnet neuen Handlungsspielraum. Wenn dein Kind dir eröffnet ohne Jacke und Mütze aus dem Haus gehen zu wollen, dann sucht nach einem Kompromiss. Dann kannst du z.B. vorschlagen, dass es die Jacke offen lässt und die Mütze in die Hand nimmt, bis ihr vor der Tür seid. Sobald ihr das Haus verlassen habt, macht ihr die Jacke zu und zieht die Mütze auf. So hat dein Kind zunächst das Gefühl von Selbstbestimmung und du übernimmst trotzdem die Verantwortung für sein Wohlbefinden.

3. Symbole finden

Wenn es in bestimmten Situationen immer wieder schwierig ist, kann es Sinn machen, sich eine grundlegende Struktur zu überlegen. Z.B. wenn mittwochs Turnen ist, und das zu einer schwierigen Abholsituation im Kindergarten führt, kann man dem Kind mittwochs immer die gelbe Hose anziehen. Oder wenn es noch 3x Schlafen bis zum Schwimmbadbesuch ist legt man 3 Steine auf den Tisch und nimmt jeden Morgen einen weg. Hierbei geht es darum, dass das Kind eine Möglichkeit bekommt sich im komplexen Erwachsenenalltag zurechtzufinden. Der Fantasie sind hierbei natürlich keine Grenzen gesetzt.

4. Rituale strukturieren den Alltag

Kleine Kinder brauchen unbedingt Verlässlichkeit. Unser Alltag ist  in der Regel viel zu komplex für sie zu verstehen und zu überschauen. Diese Überforderung kann dann schnell Wutanfälle auslösen. Am liebsten haben sie es dagegen, wenn alles jeden Tag gleich abläuft. Wo wir können, sollten wir ihnen das bieten. Es ist wie ein Handel: Bieten wir ihnen grundsätzlich Struktur, wann immer wir können, sind sie netter mit uns, wenn wir nächstes mal spontan noch schnell spontan und unangemeldet ein paar Kleinigkeiten einkaufen möchten.

5. Innerlich und äußerlich klar sein

Dieser letzte Punkt ist vielleicht der Schwierigste. Denn das gelingt uns nicht immer. Wir fragen, obwohl wir die Antwort nicht hören wollen. Oder kündigen Dinge an, die wir dann doch nicht durchhalten. Das ist normal und menschlich. Spätestens wenn sich unsere Kinder verweigern, müssen wir uns klar machen, was wir eigentlich wollen:

  • Was ist mein Ziel -> Was will ich?
  • Was ist meine Intention -> Warum will ich das?
  • Was ist mein Weg -> Wie will ich da hin kommen?

Und dann müssen wir handeln. Liebevoll und ohne Wenn und Aber.

Wenn du trotz allem einen Wutanfall nicht verhindern kannst,  kannst du ihn gut mit dieser 3-Schritte-Formel begleiten!

 

3 Kommentare bei „Kindliche Wutanfälle verhindern durch achtsame Alltagsgestaltung“

  1. […] unsere Vorgaben anpassen. Dass es daher wichtig ist, den Alltag transparent zu gestalten hatte ich hier vor einiger Zeit schonmal geschrieben. Aber auch, wie wir mit unseren Kindern sprechen, spielt eine […]

  2. […] du es deinem Kind beim Abholen nie recht machen kannst, helfen dir meine Tipps, zum Vorbeugen von Wutanfällen vielleicht weiter oder du überdenkst eure Abholsituation im hinblick auf ritualisierte […]

  3. […] du es deinem Kind beim Abholen nie recht machen kannst, helfen dir meine Tipps, zum Vorbeugen von Wutanfällen vielleicht weiter oder du überdenkst eure Abholsituation im hinblick auf ritualisierte […]

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