Gefühle begleiten

Neulich bei uns zu Hause:

Wir spielten das Spiel „Zicke Zacke Hühnerkacke“ bei dem man sich ähnlich wie beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“ mit seinen Spielfiguren im Uhrzeigersinn auf dem Spielfeld bewegt und wenn man eine andere Figur überholt, darf man ihr die Federn abnehmen und zum eigenen Schweif hinzufügen.

Es kam wie es kommen musste: Ich überholte den Sohn mit meinem „Hühnchen“ und jagte ihm eine Feder ab. Sofort begannen die Tränen beim Sohn zu laufen, denn er war überhaupt nicht einverstanden und auch nicht bereit bzw. in der Lage die Regel zu akzeptieren. Das wiederum war für den Mann schwer auszuhalten und er wollte (entgegen der Regel) dem Sohn seine eigene Feder als Ersatz anbieten. Über das Aushalten der Gefühle der Kinder schrieb ich zuvor schon einmal hier.

Unterstützen anstatt übernehmen

Dann entschied er sich aber doch lieber den Sohn beim Erleben seiner schwierigen und intensiven Frustrationsgefühle zu unterstützen, anstatt sie ihm abzunehmen. Er behielt seine Feder für sich und erklärte dem Sohn, dass er in der nächsten Runde die Möglichkeit hätte, mich wieder zu überholen und sich dann beide Federn zu erbeuten. Allerdings müsse er dafür weiterspielen und sich nochmal gut konzentrieren. Es gelang dem Sohn, sich nochmal auf das Spiel einzulassen und mit ein bisschen „schlechtspielen“ meinerseits, konnte er mich in der nächsten Runde tatsächlich wieder überholen und war unglaublich stolz zwei Federn ergattert zu haben.

Ein Erfolgserlebnis, um das wir ihn gebracht hätten, wenn wir ihm einfach eine Ersatzfeder gegeben hätten.

Gefühle aushalten

Unangenehme Gefühle auszuhalten ist nicht einfach. Nicht für die Kinder und eben auch nicht für uns Erwachsene. Manchen gelingt es besser und manchem eben nicht so gut. Besonders kleine Kinder möchten wir nicht leiden sehen. Wir möchten trösten und ablenken und eben alles wieder gut machen. Dabei gehören aber alle (!) Gefühle zum Leben. Nur wenn wir bereit sind auch leidvolle Gefühle unserer Kinder zu akzeptieren, sind wir in der Lage, die ganze Persönlichkeit des Kindes kennenzulernen.

Durch die Frustration hindurch begleiten

Grundsätzlich finde ich es sehr wichtig, Kinder durch ihre Gefühle hindurch zu begleiten. Kleine Kinder können sich nur schwer selbst beruhigen. Sie brauchen eine erfahrene Bezugsperson, um die überwältigenden Gefühle einzuordnen, auszuhalten und gestärkt aus der Situation hervorzugehen. Wir alle sind zum Glück erfahren im Bezug auf Gefühle, wir alle kennen viele Gefühle und deshalb sind wir alle sehr gut geeignet unsere Kinder beim Erforschen ihrer Gefühlswelt zu begleiten.

Begleiten in 4 Schritten:

Anerkennen

Das Kind in seinem Gefühl anerkennen und akzeptieren „ich verstehe, dass du dich ärgerst/ sehr traurig bist“

Ruhe bewahren

Die eigenen Gefühle von den Gefühlen des Kindes unterscheiden. Durchatmen und Körperkontakt herstellen kann dabei hilfreich sein.

Erklären was passiert ist

„Du ärgerst dich, weil du die Feder verloren hast,oder?“ Wenn Kinder sich stark aufregen ist ein bestimmter Teil des Gehirns stark beansprucht. Sachlich und kindgerecht die Situation wiederzugeben, aktiviert einen anderen Teil des Gehirns und hilft so die starke Emotion zu beruhigen.

Den nächsten Schritt einleiten

Das Kind ist beschäftigt mit seinen Gefühlen, ist völlig eingebunden im Hier und Jetzt. Ein besonnener Erwachsener, der den nächsten Schritt aufzeigt, ist dabei die Rettung aus der Not: „Lass und noch ein bisschen weiterspielen, dann kannst du dir die Feder wieder zurück erobern..“

Wenn wir es schaffen, unsere Kinder wertfrei zu begleiten, übt sich dieses Schema ein und wir befähigen die Kinder im Laufe der Zeit sich auch selbst emotional aus einer schwierigen Situation zu befreien. Was wir damit fördern ist eine sogennante positive Selbswirksamkeitserwartung.

Ein Kommentar bei „Gefühle begleiten“

  1. […] Um dein Kind emotional zu unterstützen findest du hierAnregungen. […]

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