Die Familie als System | Jede*r hat seine Rolle

Die Familie als System | Jede*r hat seine Rolle

Die Familie ist ein System? | Welche Rolle hast du?

Jede Zusammenkunft von verschiedenen Menschen kann als System betrachtet werden in dem sich verschiedenste Dynamiken entwickeln und manifestieren können. Das gilt für ein Sportteam genauso wie für Freundeskreise und Arbeitskollegen. In diesem System nehmen die einzelnen Mitglieder Rollen ein, welche sich auch immer wieder verändern können.

Wie wir auf die verschiedenen Dynamiken in unseren sozialen Systemen reagieren- was uns stört oder anzieht hängt maßgeblich mit dem allerersten System zusammen das wir kennengelernt haben:

Unser Familiensystem

Als Kinder werden wir in ein bereits bestehendes Familiensystem hineingeboren und versuchen fortan dieses zu erkunden und seine Regeln und Grenzen zu verstehen. Dabei spielt es keine Rolle, welche genaue Zusammensetzung dieses System hat. Ein System besteht einfach immer aus den Personen, die darin vorkommen. Das können natürlich Mutter und Vater sein, aber darüber hinaus auch noch alle anderen Menschen. Nachbarn, Verwandte, Babysitter, die Affäre eines Elternteils (auch wenn sie geheim gehalten wird, übt der Umstand, dass da jemand ist, sich auf das familiäre System aus). Verstorbene (und nicht betrauerte) Kinder oder Angehörige können auch dazu gehören.

Im Prinzip spielt einfach alles und jeder eine Rolle, der oder die Einfluss auf das System ausübt.

Auch Probleme können Teil des Systems sein

Gibt es in einem System länger andauernde Konflikte oder Probleme (z.B. Uneinigkeit über die Nähe der Großeltern zu den Kindern, den Umgang mit Konflikten oder Alkoholkonsum) kann auch das Problem selbst zu einem Teil des Systems werden und zwischen zwei Menschen stehen. Durch die Aufstellung des familiären Systems z.B. mit dem „Familienbrett“ kann man sich solche Dynamiken leicht ins Bewusstsein rufen.

Kinder reagieren sehr sensibel auf systemische Konflikte. Kinder möchten immer im direkten Kontakt mit ihren Bezugspersonen stehen. Sie möchten gesehen und wahrgenommen werden.Wenn jedoch eine Bezugsperson mit etwas so intensiv beschäftigt ist, dass dieses Thema Teil das Systems wird, kann es sein, dass das Thema sich zwischen das Kind und die Bezugsperson schiebt. Dann ist der Blick auf das Kind „verstellt“.

Das Kind wiederum versucht jetzt vielleicht mit erhöhter Kraft die mangelnde Aufmerksamkeit des Erwachsenen zu erlangen und das Hindernis zu überwinden. Dies drückt sich oft in einem, den Erwachsenen störenden Verhalten aus. Dann wird das Kind zu einem Symptomträger. In der systemischen Beratung sprechen wir daher auch von „Lösungskindern“ anstatt von „Problemkindern“, da Kinder mit ihrem problematischen Verhalten auf eine mögliche Lösung hinweisen: Wo liegt das Problem? Was kann eine Lösung sein?

Die Systemische Sichtweise | „Ich verstehe nicht warum mein Kind das immer macht“

Eltern suchen eine Beratung auf, wenn der Leidensdruck größer wird. Meine Aufgabe besteht dann darin, das System zu erfassen und gemeinsam mit den Eltern den Störfaktor zu entlarven. Das kann einfach sein und die betreffende Mutter oder der Vater sind erleichtert endlich zu erkennen, was sie anders machen können. Es kann aber auch sein, dass das Problem größer und schwerwiegender ist, so dass es den Eltern schwerfällt sich dafür zu öffnen. Eigene Traumata können hierbei eine Rolle spielen.

Denn es gibt auch Probleme, die schon sehr lange zu einem System gehören. Probleme oder destruktive Verhaltensweisen, die man nicht einfach loslassen kann, weil das ein überwältigendes Ansgtgefühl auslösen könnte.

So wie die Kinder einen Grund haben für ihr Verhalten, so haben auch die Eltern einen Grund für ihr Verhalten. Auch die Erwachsenen waren einmal Kinder und haben versucht ihr Ursprungssystem zu erfassen. Wird man in einem dysfunktionalen System groß, entwickelt man mit der Zeit auch Mechanismen, um mit dem Mangel (oder dem Überfluss) an Zuwendung klar zu kommen.

Unter Umständen nimmt man diese kompensatorischen Verhaltensweisen mit ins Erwachsenenalter. Man kennt es ja nicht anders. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass man dasselbe an seine eigenen Kinder weitergibt: Das Ursprüngliche Problem ist nicht mehr da, aber das erlernte Verhalten von dem damaligen Kind und jetzigen Erwachsenen aber schon noch.

Diesen Effekt nennt man

„Transgenerationale Weitergabe von Traumata“

Ist dies der Fall, verstehe ich, dass Eltern nicht nachvollziehen können, warum sich ihr Kind auf eine bestimmte Art und Weise verhält. In Ihrer Wahrnehmung ist alles ok. Es gibt faktisch kein Problem, das zwischen ihnen und ihrem Kind steht. An dieser Stelle macht es Sinn, in der Beratung nach den Erfahrungen der Eltern in ihrer eigenen Kindheit zu fragen:

  • Wie war das denn damals bei euch?
  • Wie haben deine Eltern das damals gemacht in so einer Situation?

Die Lösung befindet sich im System!

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lösung für ein Problem im System zu suchen ist. Wenn du wissen möchtest, wie dein familiäres System aufgestellt ist, kannst du dir das mit kleinen Spielsteinen, Knöpfen, Obst einfach mal aufstellen und vor Augen führen:

  • Wer und was gehört zu meinem familiären System?
  • Wie weit voneinander entfernt bin ich zu einzelnen Personen?
  • Steht etwas zwischen mir und jemand anderes?

Auch eine positive Veränderung kann man aufstellen:

Wenn du herausfindest, dass du gerne etwas am IST-Zustand verändern würdest kannst du das mit den Figuren tun.

  • Was sollte an dieser Stelle anderes sein?
  • Was bräuchtest du dafür?
  • Wie fühlt sich das an?

 

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