Den Alltag transparent gestalten- kleinkindlichen Wutanfällen vorbeugen

Am Anfang des Lebens steht die komplette Symbiose. Das Baby lebt in und von der Mutter. Auch die ersten Monate ist das Baby ohne seine Bezugsperson völlig hilflos. Erst mit dem stetigen Zuwachs an Fähigkeiten, beginnt das Kind zu erkennen, dass es auch Selbsttätig sein kann. Durch Ausprobieren und Erkunden lernt es sich und seine Umwelt immer besser kennen. Mit der Zeit wächst in ihm dann auch der Wunsch Dinge alleine oder auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu tun: Das kleine Kind entdeckt seinen eigenen Willen.

Die erste Autonomiephase

Sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen und auszuprobieren, sind eine unglaublich wichtige Phase im Leben eines Menschen. Denn sie befähigt das Kind auch längere Zeit ohne die ersten und unmittelbaren Bezugspersonen auszukommen und ist fundamental für die Identitätsentwicklung. Früher nannte man diesen Lebensabschnitt auch „Trotzphase“. Und das nicht ohne Grund.

Heute möchte ich euch ein paar Ideen vorstellen, wie man die Autonomiewünsche seines Kindes berücksichtigen kann und so vielleicht dem ein oder anderen Wutanfall zuvorkommt.

1. Veränderungen ankündigen

Kinder sind immer ganz im hier und jetzt und nicht selten sehr vertieft in das was sie gerade tun. Wenn man als Erwachsener weiß, dass das Kind seine Tätigkeit unterbrechen muss (z.B. weil man nach Hause gehen wird), ist es sinnvoll dies kurz voher anzukündigen: Noch einmal und dann gehen wir oder in 5 Minuten machen wir Schluß. Das gibt dem Kind die Möglichket sich innerlich auf die Veränderung einzustellen.

2. Auf Wünsche und Vorschläge eingehen

Wir haben hier zu Hause immer die Diskussion, dass der Sohn die Jacke offen lassen und die Mütze am liebsten gar nicht tragen möchte. Im Winter geht das natürlich nicht und ich bestehe auf Jacke zu und Mütze auf. Jeden Morgen dasselbe…Im Laufe der Zeit haben wir den Kompromiss gefunden, dass er im Treppenhaus noch mit offener Jacke gehen darf, unten an der Haustür wird sie dann aber auf jeden Fall zugemacht und die Mütze aufgesetzt. So haben wir beide was wir wollen.

3. Symbole finden

Wenn es in bestimmten Situationen immer wieder schwierig ist, kann es Sinn machen, sich eine grundlegende Struktur zu überlegen. Z.B. wenn mittwochs Turnen ist, und das zu einer schwierigen Abholsituation im Kindergarten führt, kann man dem Kind mittwochs immer die gelbe Hose anziehen. Oder wenn es noch 3x Schlafen bis zum Schwimmbadbesuch ist legt man 3 Steine auf den Tisch und nimmt jeden Morgen einen weg. Hierbei geht es darum, dass das Kind eine Möglichkeit bekommt sich im komplexen Erwachsenenalltag zurechtzufinden. Der Fantasie sind hierbei natürlich keine Grenzen gesetzt.

4. Rituale strukturieren den Alltag

Kleine Kinder mögen`s spießig. Am liebsten haben sie es, wenn alles jeden Tag gleich abläuft. Wo wir können, sollten wir ihnen das bieten. Es ist wie ein Handel: Bieten wir ihnen grundsätzlich Struktur, wann immer wir können, sind sie netter mit uns, wenn wir nächstes mal spontan noch schnell ein paar Kleinigkeiten einkaufen möchten.

5. Innerlich und äußerlich klar sein

Dieser letzte Punkt ist vielleicht der Schwierigste. Denn das gelingt uns nicht immer. Wir fragen, obwohl wir die Antwort nicht hören wollen. Oder kündigen Dinge an, die wir dann doch nicht durchhalten. Das ist normal und menschlich. Spätestens wenn sich unsere Kinder verweigern, müssen wir uns klarmachen, was wir eigentlich wollen.

Und dann müssen wir handeln. Liebevoll und ohne Wenn und Aber.

Kinder suchen Orientierung und Stabilität und wir sind die, die die Aufgabe haben, ihnen das zu geben. Auch die Wut an sich, macht vielleicht etwas mit uns. Hier gibt es nochmal ein paar Ideen, wie man Kinder durch ihre Gefühle begleiten kann.

 

Ein Kommentar bei „Den Alltag transparent gestalten- kleinkindlichen Wutanfällen vorbeugen“

  1. […] unsere Vorgaben anpassen. Dass es daher wichtig ist, den Alltag transparent zu gestalten hatte ich hier vor einiger Zeit schonmal geschrieben. Aber auch, wie wir mit unseren Kindern sprechen, spielt eine […]

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