Den Alltag mit Worten begleiten | 9 Tipps zu bindungsorientierter Kommunikation mit kleinen Kindern

achtsame Kommunikation mit Kindern

Für kleine Kinder ist unser Alltag eine sehr komplexe und unübersichtliche Angelegenheit. Sie werden quasi immer wieder von uns überrascht und müssen sich immer wieder spontan an unsere Vorgaben anpassen. Dass es daher wichtig ist, den Alltag transparent zu gestalten hatte ich hier vor einiger Zeit schonmal geschrieben. Aber auch, wie wir mit unseren Kindern sprechen, spielt eine große Rolle dabei, ob bei ihnen ankommt, was wir ihnen mitteilen wollen. Hier sind also meine Tipps zur Kommunikation mit kleinen Kindern:

Erwachsen sprechen

Kinder suchen und brauchen Orientierung im Alltag und sie sind darauf angewiesen, dass wir ihnen diese geben. Dafür ist es notwendig, dass wir als Erwachsene agieren. Über die Art und Weise, wir wir sprechen transportieren wir die Botschaft: Verlass dich auf mich, ich weiß wie wir es machen! Wenn wir uns sprachlich aber an das Kind anpassen und mit unseren Kindern immer in einer Art „kindlichen Sprache“ sprechen, transportieren wir eher: Ich bin wie du, ich weiß es eigentlich auch nicht so genau“. Beobachte dich einfach mal selbst: Würdest du so, wie du mit deinem Kind sprichst, auch mit einem Freund oder einer Arbeitskollegin sprechen? Wenn du dich dabei unwohl fühlen würdest, ist das ein Hinweis darauf, dass du dein Sprechverhalten deinem Kind gegenüber verändern solltest. Häufig sprechen Eltern mit ihren Kindern viel höher, als wenn sie mit anderen Erwachsenen sprechen. Außerdem verwenden Eltern mit ihren Kindern oft Verniedlichungen und besondere Begriffe, die sie mit anderen Erwachsenen niemals benutzen würden. Vielleicht ist es auch hilfreich, dir von jemand anderes Spiegeln zu lassen, wie du mit deinem Kind redest.

Einfache Sprache verwenden

Dass man wie ein Erwachsener spricht bedeutet natürlich nicht, dass man auch eine Sprache verwendet, die unter Erwachsenen angemessen wäre. Das, was man sagt, sollte man natürlich an das Alter des Kindes anpassen. Wenn man es nicht gewohnt ist mit Kindern zu sprechen, kann das schon etwas verunsichernd sein. Grundsätzlich finde ich es wichtig, Dinge zu benennen, die für das Kind wichtig sind. z.B. „Ich möchte dass du an meiner Hand gehst, weil hier Autos fahren.“ Über diesen Inhalt kann man viele Worte verlieren, oder man sagt ihn einfach mit diesen 2 Inhalten, die wichtig sind: Was ich möchte (dass das Kind bei mir bleibt) und was das Kind darüber wissen muss (dass das wegen der Autos ist) .

Verlässlich kommunizieren

Wenn man sich angewöhnt einfach zu sprechen, wird es auch einfacher verlässlich zu kommunizieren. Es geht immer darum, was mir wichtig ist und es geht immer darum, warum mein Kind das einsehen muss. Wie gesagt, es geht ja bei der Kommunikation im Alltag, um Orientierung. Dein Kind sucht Sicherheit und Orientierung und diese gibst du ihm, indem du verlässlich, also immer gleich reagierst und kommunizierst. Überlege dir, wie du es willst und warum und dann sag das so…

Fragen nur dann stellen, wenn man eine Antwort möchte

Für Eltern ist das Leben mit den vielen Möglichkeiten ja auch nicht immer leicht. Während wir mit unseren Kindern sprechen, passiert es daher oft, dass wir während wir reden rethorische Fragen stellen, um uns selbst klar darüber zu werden, wie wir das haben wollen. Z.B. sagen wir dann leicht: „Wir gehen jetzt raus, ok?“ Die Antwort darauf wollen wir aber gar nicht hören, denn wir wollen ja rausgehen, egal, ob unser Kind diesem Plan zustimmt. Durch die Fragestellung suggerieren wir aber, dass es eine Option gäbe und das ist verwirrend. Daher macht es Sinn Fragen nur zu formulieren, wenn es für das Kind auch eine Wahl zu treffen gibt!

Veränderungen ankündigen

Kinder haben die tolle Fähigkeit, sich komplett im Hier und Jetzt zu versenken. Sie vergessen beim Spielen alles um sich herum und haben darüber hinaus auch kein Gefühl für Zeit. Wenn du also weißt, dass du demnächst losgehen möchtest, kündige die Veränderung an. Sensibilisiere dich für die vielen Veränderungen im Tagesablauf, an die sich dein Kind anpassen muss und versuche möglichst alle vorausschauend sprachlich zu begleiten.  Rede über das, was du machst, finde Worte für die alltäglichen Vorgänge in eurem Leben. Dadurch signalisierst du deinem Kind: Ich bin bei dir, ich sorge für dich, ich habe dich im Blick. Das gibt deinem Kind Sicherheit und es kann sich auf dich verlassen. Dadurch wirst du zu einer echten Bezugsperson.

Komplimente machen

Sprache ist natürlich auch ein wichtiges Instrument, um Wertschätzung auszudrücken. Versuche dein Kind nicht zu loben und stattdessen wertschätzend zu beschreiben, was dir gefallen hat. So kannst du z.B. sagen „Es hat mir große Freude bereitet, zu sehen, wie du da hoch geklettert bist“. Anstatt zu sagen: „Toll, wie du klettern kannst“. So bringst du dein Gefühl zum Ausdruck und dein Kind kann etwas über dich erfahren. Dadurch kommt ihr emotional in Kontakt und du stärkst langfristig eure Beziehung. Dein Kind erfährt so den Wert deiner Aufmerksamkeit anders, als nur eine positive Bewertung seiner Leistung.

Körperkontakt herstellen

Bei jeglicher Kommunikation ist Körperkontakt immer sinnvoll. Es gibt der kognitiven Erfahrung von Sprache einen Boden. Du signalisierst unterbewusst: Ich bin für dich da, du kannst dich auf mich verlassen, ich meine es ernst mit dir!

Klar machen, wenn man etwas sehr ernst meint

Wenn wir den Alltag sprachlich begleiten, dann sagen wir viele Sachen, die uns zwar wichtig sind, aber nicht unbedingt mit Konsequenzen verbunden sind. Manchmal ist es unser aber wirklich ernst mit dem, was wir sagen und dann ist es wichtig, dass wir das auch zum Ausdruck bringen! Körperkontakt, Augenkontakt und eine feste Stimme, die einfache und klare Worte ausspricht sind Mittel, mit denen wir die Ernsthaftigkeit unserer Aussage unterstreichen können und vielleicht sogar müssen. Worte allein sind für kleine Kinder etwas sehr abstraktes und die kognitive Aufnahmefähigkeit ist begrenzt. Der Einsatz von Gestik und Mimik bringt das Gesagte nochmal auf ein anderes für Kinder leichter zu verarbeitendes Niveau. Das Kind spürt mehr als dass es denkt: Achtung, hier ist es ernst! Das erleichtert es deinem Kind dem zu Folgen, was du vorgibst.

Vorbeugende Kommunikation anstatt Schimpfen

Niemand schimpft gerne und wenn wir ehrlich sind, ist alles schon viel zu spät, wenn wir zu diesem letzten Mittel greifen. Die vorangegangen Tipps können als vorbeugende Kommunikation verstanden werden, die verhindern, dass wir in die Situation kommen, in der wir uns veranlasst sehen zu schimpfen. Vorbeugend zu kommunizieren bedeutet:

  • klar zu sein in dem, was man will
  • in Beziehung zu gehen und auch zu bleiben
  • den Überblick zu behalten und so die Kontrolle über die Situation nicht aus der Hand zu geben

Wir sind die Erwachsenen und somit dafür verantwortlich, dass es uns und unseren Kindern gut geht. Wenn wir schimpfen müssen, bedeutet das, dass unsere Kinder ein Verhalten zeigen, das wir nicht richtig finden. Und das wiederum ist ein Hinweis darauf, dass unsere Kinder etwas ausagieren, was wir zuvor versäumt haben in die richtige Bahn zu lenken. Schimpfen zu müssen bedeutet, die Kontrolle über die Situation verloren zu haben und sich ohnmächtig zu fühlen. Das können wir verhindern, indem wir rechtzeitig die richtigen Weichen stellen. Wenn du das Gefühl hast, zu häufig schimpfen zu müssen, dann kannst du dein Kommunikationsverhalten auf die zuvor genannten Punkte hin genau unter die Lupe nehmen und ausprobieren, an welcher Stelle du zu unklar bist. Und dann kannst du vorbeugend achtsamer, bindungsorientierter und/oder klarer kommunizieren.

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