Mit Kindern zur Ruhe kommen

Im Winter kommt die Natur zur Ruhe. Viele Tiere schlafen oder sind ausgeflogen. Die Pflanzen sind noch unter der Erde, nur wenige sind grün oder blühen gar. Im städtischen Trubel und in unserem naturfernen Leben spüren wir das nicht. Ständige Unruhe ist unser Begleiter. Durch die Unabhängigkeit vom Sonnenlicht haben wir keine natürliche Regulation von Aktivität und Ruhe.

Der natürlich Rhythmus des Lebens läuft abgekoppelt von unserem. Aber Kinder sind da durchaus noch ein bisschen mehr in Verbindung mit ihrer inneren Natürlichkeit. Im Spiel kommen sie wie selbstverständlich immer wieder zur Ruhe. Allerdings hat kindliche Ruhe nicht immer etwas mit ruhig sitzen und Stille zu tun. Sie verfügen vielmehr über den Flow-Zustand ganz natürlich und können quasi „im Tun ruhen“.

Damit Kinder diese Fähigkeit im Verlauf ihrer Entwicklung nicht verlieren, ist es sinnvoll sie darin zu unterstützen. Wie alles muss aber auch Kontemplation bei Kindern spielerisch passieren. Klar, sind Yoga und gezielte Achtsamkeitsübungen schön, aber der Alltag bietet auch für kleine Kinder viele Möglichkeiten bewusst mit der inneren Ruhe in Kontakt zu kommen.

Im Folgenden findet ihr ein paar Tätigkeiten, in die Kinder sich gerne versenken und innerlich wie selbstverständlich zur Ruhe kommen können. Probier es einfach mal aus, was deinem Kind Spaß macht und guttut…

  • Singen und Fingerspiele machen

Alle Kinder lieben es zu singen. Gesang berührt den Körper und die Seele gleichermaßen und wir schwingen uns ein mit uns selbst und mit anderen. Die Wiederholung und der Wiedererkennungswert von bekannten Liedern geben zudem Sicherheit und stärken das Selbstbewusstsein. Die Unterstützung des Gesungenen durch Handgesten vernetzt beide Hirnhälften auf ganz natürliche Art und Weise und führt dadurch zu einer ausgeglicheneren Stimmung.

  • eine Kerze zum Essen anzünden

Achtsamkeit im Alltag kann man gut durch kleine Rituale einleiten. Vorm Essen immer zuerst eine Kerze anzuzünden ist ein spannender Akt für Kinder. Das kleine Feuer fasziniert und animiert zu verantwortlichem Verhalten bei Tisch, um die Kerze nicht zu gefährden. Auch die besondere Atmosphäre, die durch das Kerzenlicht entsteht mögen Kinder gern.

  • Dinge sortieren

Wäsche zusammenlegen, die Spülmaschine ausräumen, das Kinderzimmer aufräumen… Viele Tätigkeiten im Haushalt sind Sortiervorgänge. Auch Kinder sortieren gerne. Äußere Ordnung fördert innere Ordnung, diese herzustellen tut irgendwie gut. Kinder sortieren aber auch andere Dinge gerne: Deckel, Perlen, Spielfiguren, Schuhe, Haarspangen…

  • Vorlesen

Kinder lieben Geschichten und wollen die Welt entdecken. Ihre unbändige Phantasie ermöglicht es ihnen, sich alles vorzustellen und alles zu sein. In ihrer Lebenswirklichkeit gibt es keine Grenzen. Wenn wir Kindern Geschichten erzählen oder vorlesen, gehen wir mit ihnen auf die Reise in ihre jeweilige ganz persönliche Innenwelt. Wir lachen mit ihnen und wir schwingen uns auf sie ein, dadurch dass wir ihre Emotionen spiegeln. Durch den Körperkontakt vermitteln wir Ruhe und Geborgenheit. Beim gemeinsamen Lesen könne Kinder entspannen und loslassen.

  • Abends im Bett über den Tag reden

Ein Kindertag ist oft lang, laut und aufregend. Abends zur Ruhe zu kommen kann da schonmal zur Herausforderung werden. Abends über den Tag zu sprechen, kann eine Brücke von der einen Welt zur anderen Bauen und ein Loslassen des Gewesenen ermöglichen. Manche Kinder mögen es, wenn man ihnen erzählt, was sie heute alles erlebt haben, andere erzählen gerne selbst. Auch schon sehr kleine Kinder hören der vertrauten, elterlichen Stimme gerne zu. Ein schönes Ritual am Abend finde ich auch die Frage: „Hast du noch eine Frage an mich?“ Auch wenn dein Kind meistens keine Frage hat, ist doch die Gewissheit, jeden Abend die Möglichkeit zu haben eine zu stellen, sehr beruhigend.

Gleichzeitig unterstützen wir durch das regelmäßige Reflektieren am Abend die Integration von Erinnerungen und Gefühlen. Eine stressvolle Situation in einer ruhigen und geborgenen Atmosphäre noch einmal zu erinnern und loslassen zu können macht stark und zuversichtlich für die Zukunft.

  • Spazieren gehen

Deine Kinder gehen nicht gerne Spazieren? Nun, das kommt vielleicht auf die Definition von Spazieren gehen an… Meine Erfahrung ist tatsächlich auch, dass Kinder nicht sehr motiviert sind auf ein Ziel zu zugehen. Stattdessen trödeln sie und finden immer wieder neue Ablenkungen auf dem Weg. Aber genau darum geht es: Es geht nicht um die Erreichung eines Ziels, sondern um das Wahrnehmen des Hier und Jetzt. Einen Käfer auf dem Asphalt zu beobachten, ist Kontemplation in seiner Reinform. Es ist Meditation, es ist Achtsamkeit, es ist die Beachtung des Moments. Das ist es!

  • Puzzeln

Konzentriert an einer Sache zu arbeiten, bis sie fertig ist und sich hinterher über das Ergebnis zu freuen. Was will man mehr?

  • Massieren

Achtsame Berührung ist für das menschliche Gehirn unerlässlich. Kinder, die lediglich versorgt werden, aber keine liebevolle und körperliche Zuwendung bekommen, verkümmern und versterben sogar im Extremfall. Berührung macht glücklich, weich, achtsam, empathisch und lebensfroh. Berührung kann man über eine Massage empfangen oder auch geben: Auch Kinder massieren gerne! Wohlriechende Düfte runden das sinnliche Erlebnis ab.

  • Körperpflege

Kinder lieben Wasser und Kinder lieben ihren eigenen Körper. Was liegt da näher, als beides zu verbinden. Ein bisschen Wasser im Waschbecken, ein Waschlappen und ein wohltemperiertes Badezimmer. Mehr braucht es nicht. Den Waschlappen auswringen und alle Körperteile abwaschen erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit. Danach alles mit einem Handtuch abtrocknen. Auch kleine Kinder genießen achtsame Körperpflege sehr. Wenn Eltern ihre Kinder mit Hingabe Pflegen vermitteln sie ihnen das Gefühl wertvoll zu sein. Was gibt es schöneres?

  • Naturnahe Orte aufsuchen

Ein wahrer Selbstläufer sind naturnahe Orte. Ein Waldstück, eine Wiese, ein felsiger Weg… Für Kinder sinnliche Paradiese. Naturnahe Orte sind Orte, an denen es etwas zu entdecken gibt. Durch ihre gleichzeitige Reizarmut werden die inneren Impulse angeregt, was wiederum zu emotionaler Ausgeglichenheit führt.

  • Malen

Das kindliche Nervensystem nimmt täglich eine Vielzahl von Reizen auf. Malen ist eine Tätigkeit, die die verarbeiteten Reize von innen wieder nach außen transportiert. Kinder malen häufig mit vollem Körpereinsatz und großer Konzentration. Um großflächig malen zu können, eignen sich alte Kartons und Tapeten. Filzstifte sind zum Malen ungeeignet, da sie hauptsächlich Linien zeichnen können. Bunt- oder Wachsmalstifte erzeugen je nach Anpressdruck verschiedene Farbverläufe und können auch zum Ausmalen oder schattieren genutzt werden. Außerdem verlangt das Malen mit Buntstiften etwas mehr Kraft, was die Feinmotorik schult.

  • Routine im Alltag

Grundsätzlich gilt, dass Routine und Verlässlichkeit den Alltag beruhigt. Viele Termine und Verabredungen erhöhen die Impulse und Reize, die ein Kind verarbeiten muss. Eine Reizüberflutung äußert sich häufig in motorischer Unruhe und einem Unwillen zur Ruhe zu kommen. Im hektischen Alltag fällt das zunächst vielleicht gar nicht so auf, aber spätestens beim Ins-Bett-bringen oder während der Nacht merkt man fehlende innere Ruhe den Kindern doch an.

Welche Strategien helfen euch zu Ruhe zu kommen?

Ein Kommentar bei „Mit Kindern zur Ruhe kommen“

  1. […] finde ich auch, dass diese Art von Adventskalender in jeder Familie anders aussieht, da sich die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse widerspiegeln. Wenn die Aktivitäten achtsam ausgewählt werden, kommt sich die Familie so in dieser Zeit auf […]

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