Erziehung durch BEziehung

Kürzlich unterhielt ich mich mit jemandem über meinen Erziehungsstil und wie dieser wohl zu bezeichnen sei. Spontan sagte ich, dass ich unseren Erziehungsstil durchaus als Anti-Autoritär einstufen würde.

Wikipedia sagt zum Anti-Autoritären Erziehungsstil u.a.:

„Die Erziehung soll von Zwängen und der Übermacht der Pädagogen möglichst befreit werden, damit sie der Entfaltung der Persönlichkeit des Kindes nicht im Wege steht(…)“

Damit kann ich mich durchaus identifizieren.

 Leiten durch Begleiten

Ich sehe mich als Begleiterin meines Kindes. Ich weiß schon viele Dinge, die er noch nicht weiß, habe schon vieles ausprobiert und erlebt, was er noch nicht kennt. Ich wähle bewusst aus, womit  und mit wem ich mein Kind konfrontiere  und umgebe (sofern das in meiner Macht steht) und ich begleite ihn dabei, wenn er seine eigenen Erfahrungen macht. Manchmal übersetze und erkläre ich ihm auch, was er da gerade erlebt oder was ihm gerade widerfährt. Und bei alledem versuche ich ihn nicht zu stören, damit er alles in Ruhe wahrnehmen und spüren kann.

Gleichzeitig behaupte ich ihm gegenüber nicht, dass alles was ich sage richtig ist. Ich weiß, dass auch von vielen Dingen keine Ahnung habe und dass man vieles auch von mehreren Seiten betrachten kann.

Dann gibt es aber auch wieder Dinge, die möchte ich, dass mein Sohn sie kennenlernt und erlernt. Z.B. beim Abendessen eine Weile still am Tisch zu sitzen oder dass man mit Essen nicht spielt. Mir ist bewusst, dass man das durchaus auch anders machen kann, aber als seine Mutter gebe ich diese Struktur so vor. „Bei uns zu Hause machen wir das so…“ Kann man doof finden, aber dran halten muss er sich trotzdem. Das erwarte ich als Mutter in dieser Familie und gebe dem Kind der Familie damit Orientierung.

Nachfragen erwünscht

Anti-Autoritär (übrigens nicht zu verwechseln mit Laissez-faire)  bedeutet für mich also Entscheidungen für mich, das Kind oder die Familie allgemein zu treffen und an mein Kind weiterzugeben, aber nicht zu behaupten, dass dies der Weisheit letzter Schluß sei. Mein Sohn darf meine Vorgaben in Frage stellen. Im besten Fall lerne ich mich dadurch auch noch ein bisschen besser kennen.

Dadurch, dass ich ihm das „in Frage stellen“ erlaube, gehe ich mit ihm in Beziehung. Ich tausche mich mit ihm aus. Ich lasse eine Wechselwirkung zu, manchmal kalkuliere ich sie auch mit ein. Die Vorgaben, die ich mache sind nicht beliebig. Ich überlege mir durchaus gut, was ich erwarte. Gleichzeitig versuche ich immer mich in meinen Sohn hineinzufühlen und mich von ihm berühren zu lassen. Unsere Rollen sind klar verteilt: Ich sage “ so machen wir es“ und er fragt „bist du sicher?“

Hier entsteht dann ein Raum in den wir uns gemeinsam hineinentwickeln können. Wir lernen uns immer besser kennen, reiben uns und genießen harmonische Momente. Mein Sohn soll sich ausprobieren und seine inneren Bedürfnisse und Impulse wahrnehmen. Er soll Raum dafür bekommen, sich mit seinen Gefühlen und Gedanken bekannt und  vertraut zu machen, um später auch andere Menschen mit ihren Gefühlen und Gedanken warhnehmen und respektieren zu können.

Ich denke, DAS ist mein BEziehungsstil.

Wie geht ihr mit euren Kindern in Beziehung?

 

PS: Der Vollständigkeithalber möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass man diesen Erziehungsstil auch autoritativ nennt.

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